Zum Inhalt springen

Was ist Morsecode?

Ein Verfahren, um Text über alles zu senden, was sich ein- und ausschalten lässt.

Morsecode ist ein Verfahren, das Text in Folgen kurzer und langer Signale übersetzt, Punkte und Striche genannt. Weil er nur zwei Zustände braucht, ein und aus, lässt er sich als Ton, Licht, Funk, Strom oder Berührung übertragen. Entwickelt wurde er in den 1830er und 1840er Jahren für die elektrische Telegrafie, und er wird bis heute im Amateurfunk, bei Flugnavigationsbaken und als barrierefreie Eingabemethode verwendet.

Wie er funktioniert

Jedes Zeichen hat seine eigene Folge. E ist ein Punkt, T ein Strich, und seltenere Buchstaben bekommen längere Muster. Das vollständige Alphabet steht auf der Seite zum Morsealphabet, und dort lässt sich jedes Zeichen anhören.

Ebenso wichtig wie die Muster ist das Zeitmass. Fünf Längen erledigen die ganze Arbeit, und alle sind Vielfache einer Grundeinheit:

  • ein Punkt dauert eine Einheit, ein Strich drei
  • die Pause innerhalb eines Zeichens dauert eine Einheit
  • die Pause zwischen Zeichen dauert drei
  • die Pause zwischen Wörtern dauert sieben

Ändert man die Länge dieser Einheit, ändert sich das Tempo, ohne dass sonst etwas anders wird. Deshalb funktioniert Morsen mit vier Wörtern je Minute zwischen zwei Menschen mit Taschenlampen ebenso wie mit vierzig zwischen zwei geübten Funkern.

Warum er nicht binär ist

Morsecode wird gern als erster Binärcode bezeichnet. Ein hübscher Satz, aber falsch. Ein Binärcode hat zwei gleichwertige Symbole. Morsecode hat Signale in zwei Längen und Pausen in drei Längen, und die Pausen tragen ebenso viel Bedeutung wie die Signale - nimmt man sie heraus, wird die Nachricht unlesbar.

Er kommt einem präfixfreien Code mit veränderlicher Länge näher, und genau das macht ihn sparsam: Häufige Buchstaben sind kurz, seltene lang, und kein Zeichen ist der Anfang eines anderen. Dieses Prinzip taucht ein Jahrhundert später in der Datenkompression wieder auf.

Wo Morsecode heute noch verwendet wird

  • Amateurfunk. Die mit Abstand grösste aktive Gemeinschaft. Ein Morsesignal belegt einen Bruchteil der Bandbreite von Sprache und lässt sich aus einem Rauschen heraushören, das eine Stimme vollständig verschlucken würde. Damit reicht es mit sehr wenig Leistung um die Welt.
  • Luftfahrt. Navigationsbaken geben ihre Kennung in Morsecode. Eine VOR- oder NDB-Station wiederholt fortlaufend ihr zwei- oder dreibuchstabiges Kürzel, und Piloten sollen es abhören, um zu bestätigen, dass sie die richtige Station eingestellt haben. Das geschieht bei jedem Instrumentenflug, heute noch.
  • Notsignale. Eine Taschenlampe, eine Pfeife oder ein Spiegel braucht keine Ausrüstung und keine gemeinsame Sprache. Deshalb hat SOS das Funkverfahren überlebt, für das es geschrieben wurde.
  • Barrierefreiheit. Menschen mit stark eingeschränkter Beweglichkeit können in Morsecode schreiben, über zwei Taster, einen Saug-Blas-Schalter oder sogar durch Blinzeln. Android bietet seit 2018 eine Morse-Tastatur, und es gibt dokumentierte Fälle von Menschen, die sich ausschliesslich durch Blinzeln in Morsecode verständigt haben.

Lohnt es sich noch zu lernen?

Niemand braucht Morsecode so, wie ihn ein Schiffsfunker 1912 brauchte. Die ehrliche Antwort lautet deshalb: Menschen lernen ihn aus drei Gründen, und alle drei halten stand.

Der erste ist der Funk: Auf den Amateurbändern kommt Morsen durch, wenn nichts anderes mehr durchkommt. Der zweite ist, dass es eine wirklich andere Fähigkeit ist - man lernt keine Tabelle auswendig, sondern trainiert das Ohr darauf, Buchstaben als Klänge zu hören, und das braucht Wochen mit fünf Minuten täglich statt einer langen Lerneinheit. Der dritte ist schlicht, dass es eine hundertachtzig Jahre alte Technik ist, die man immer noch wirklich benutzen kann, mit einer Taschenlampe, im Dunkeln, mit jemandem, der dasselbe gelernt hat.

Häufige Fragen

  • Was ist Morsecode einfach erklärt?

    Es ist eine Art, Text mit zwei Signalarten zu buchstabieren, kurz und lang. Jeder Buchstabe hat sein eigenes Muster, und weil das Signal nur an oder aus sein muss, funktioniert es mit Ton, Licht, Funk oder allem anderen, was sich schalten lässt.

  • Wer hat den Morsecode erfunden?

    Samuel Morse und Alfred Vail entwickelten ihn gemeinsam in den 1830er und 1840er Jahren; die meisten Zuordnungen der Zeichen gehen auf Vail zurück. Die heute weltweit gültige Fassung ist eine spätere Überarbeitung von Friedrich Clemens Gerke. Mehr dazu auf der Seite zur Geschichte.

  • Wird Morsecode heute noch benutzt?

    Ja. Funkamateure nutzen ihn täglich, Flugnavigationsbaken senden ihre Kennung fortlaufend darin, und er dient als Eingabemethode für Menschen, die keine Tastatur bedienen können. Aus dem Seenotfunk wurde er 1999 verabschiedet.

  • Wie lange dauert es, Morsecode zu lernen?

    Mit fünf bis zehn konzentrierten Minuten am Tag können die meisten einfache Texte innerhalb weniger Wochen mitschreiben und erreichen in einigen Monaten ein brauchbares Tempo. Lange, seltene Übungseinheiten wirken deutlich schlechter als kurze tägliche, denn es geht um einen Hörreflex und nicht um Wissen.

  • Ist Morsecode eine Sprache?

    Nein. Er ist eine Kodierung, keine Sprache. Er schreibt auf, was du ohnehin sprichst, so wie es ein Alphabet tut.