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Lichtmorsen und sein Tempolimit

Eine Leuchtdiode ist sofort hell und sofort dunkel. Ein Glühfaden nicht - und ab einem gewissen Tempo ist die Nachricht deshalb nicht mehr lesbar.

Ein Glühfaden muss erst heiss werden und kühlt danach langsam ab. Ab einem gewissen Tempo erreicht er weder ganz hell noch ganz dunkel - und dann ist nichts mehr zu lesen, egal wie sauber getastet wird.

 

Der Helligkeitsverlauf

Wer mit dem Handybildschirm morst, bekommt saubere Kanten: an, aus, an. Wer eine Glühlampe schaltet, bekommt eine verschliffene Kurve. Der Faden muss erst heiss werden, und danach kühlt er langsam ab - beides dauert, und beides hängt an der Masse des Fadens.

Bei niedrigem Tempo fällt das nicht auf. Ab einem gewissen Punkt aber erreicht die Kurve weder ganz hell noch ganz dunkel: Der nächste Punkt zieht sie wieder hoch, bevor sie unten angekommen ist. Dann liegt zwischen Ton und Pause kein Unterschied mehr, den ein Empfänger auswerten könnte, und die Nachricht ist verloren - ganz gleich, wie sauber getastet wurde.

Die Kurve zeigt es

Unter dem Werkzeug steht der Helligkeitsverlauf gezeichnet. Die hellen Flächen sind das Sollsignal - dort sollte Licht sein. Die Linie ist, was die Lampe tatsächlich tut.

Bei der Leuchtdiode liegen beide praktisch übereinander. Bei der grossen Signallampe hinkt die Linie sichtbar hinterher, und wer das Tempo hochzieht, sieht den Moment, in dem sie unten nicht mehr ankommt. Der Kontrastwert daneben ist genau dieser Abstand: die schwächste Tonspitze gegen die hellste Pause.

Warum Signallampen eine Klappe haben

Das ist die praktische Folgerung, und man sieht sie an jeder Schiffssignallampe: Vor der Lampe sitzt eine Klappe, die Lampe selbst brennt durchgehend. Bewegt wird nur die Blende.

Der Grund steht in der Kurve. Ein grosser Glühfaden lässt sich nicht schnell schalten - er ist bei etwa 19 Wörtern pro Minute am Ende. Eine Mechanik vor der Lampe dagegen kann viel schneller öffnen und schliessen, und sie ist in beide Richtungen gleich schnell, weil kein Faden nachglüht. Aus einem physikalischen Problem wurde so ein mechanisches, und mechanische Probleme lassen sich lösen.

Deshalb steht bei den Bauarten auch die Anstiegs- und die Abfallzeit: Beim Faden sind sie verschieden - heizen geht schneller als abkühlen -, bei der Klappe gleich.

Was das für die Praxis heisst

Wer mit einer Taschenlampe morst, sollte langsam bleiben. 10 bis 12 Wörter pro Minute sind mit einer Glühbirne unproblematisch, darüber wird es unsauber, ohne dass man es selbst merkt - der Sender sieht ja nur seinen eigenen Schalter.

Mit einer LED-Lampe gilt die Grenze nicht. Dort ist das Tempolimit die Hand am Schalter und sonst nichts. Wer den Bildschirm nutzen will, findet das unter Lichtsignal; die Gegenrichtung, also Licht mit der Kamera lesen, steht unter Lichtsignal-Decoder.

Häufige Fragen

  • Sind die Zeitkonstanten gemessen?

    Nein, es sind Grössenordnungen. Eine kleine Taschenlampenbirne liegt im Bereich einiger Millisekunden, eine grosse Signallampe deutlich darüber. Die genauen Werte hängen an Fadenstärke, Füllgas und Betriebsspannung; das Verhalten - träge, unsymmetrisch, tempoabhängig - stimmt in jedem Fall.

  • Warum ist die Abfallzeit länger als die Anstiegszeit?

    Weil geheizt wird und abgekühlt nicht: Beim Einschalten drückt der Strom Energie in den Faden, beim Ausschalten bleibt nur die Abstrahlung an die Umgebung. Deshalb glüht ein Faden nach, und deshalb sind die Pausen das Problem und nicht die Töne.

  • Was heisst "40+ WpM"?

    Dass die Suche bei 40 endet, nicht die Lampe. Eine Leuchtdiode hätte auch bei 100 Wörtern pro Minute noch vollen Kontrast - dort wäre längst etwas anderes die Grenze.