Graulinie
Die Zone zwischen Tag und Nacht wandert einmal am Tag um die Erde. Für Morsecode auf den unteren Bändern ist sie die interessanteste Stelle der Karte.
Wo gerade was ist
| Ort | Sonnenzeit | Sonnenhöhe | Zustand |
|---|
Warum die Dämmerung so viel ausmacht
Sonnenlicht baut in etwa 60 bis 90 Kilometern Höhe die D-Schicht der Ionosphäre auf. Sie reflektiert nicht, sie schluckt - und zwar umso mehr, je tiefer die Frequenz. Deshalb kommt man tagsüber auf 80 Metern kaum über den Nachbarkreis hinaus.
Nach Sonnenuntergang zerfällt die Schicht innerhalb von Minuten. Die höher gelegene F-Schicht bleibt und reflektiert weiter. In diesem Zeitfenster - und noch einmal vor Sonnenaufgang - trägt dasselbe Band plötzlich über Kontinente. Das ist die Graulinie.
Der Trick dabei: Liegen beide Stationen auf der Graulinie, verläuft der ganze Weg dazwischen in der Dämmerung. Dann fehlt die Dämpfung auf der gesamten Strecke, nicht nur an den Enden. Deshalb suchen DX-Jäger auf 80 und 40 Metern genau diese Linie.
Was die Karte zeigt
Die kräftige Linie ist der Terminator: dort steht die Sonne genau am Horizont. Die beiden gestrichelten Linien begrenzen die Zone, in der sie zwischen sechs Grad darunter und sechs Grad darüber steht - das ist die Spanne, in der die D-Schicht auf- oder abgebaut wird.
Die Zone ist absichtlich ein Band und keine Linie. Eine haarfeine Grenze wäre geometrisch hübsch und funktechnisch nutzlos; gearbeitet wird in der Zone.
Über der Karte steht, wo die Sonne gerade im Zenit steht. Dieser Punkt wandert in vier Minuten ein Grad nach Westen - die Graulinie mit ihm.
Sonnenzeit statt Uhrzeit
Die Tabelle nennt die Sonnenzeit und nicht die Uhrzeit am Ort. Sie ist aus der geografischen Länge gerechnet: 15 Grad sind eine Stunde. Von der Uhr am Ort weicht sie um bis zu zwei Stunden ab - durch Sommerzeit, breite Zeitzonen und Länder wie China, das über 60 Längengrade eine einzige Zone führt.
Das ist Absicht. Für die Frage „steht dort die Sonne" ist die Sonnenzeit die richtige Grösse, und eine Zeitzonendatenbank wäre ein halbes Megabyte für eine Auskunft, die hier niemand braucht.
Häufige Fragen
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Wie lange dauert das Fenster?
In mittleren Breiten etwa 30 bis 60 Minuten um Sonnenauf- und -untergang. In hohen Breiten ist es deutlich länger, weil die Sonne flacher steht - im Sommer geht sie dort gar nicht unter, dann fällt die Graulinie ganz aus.
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Gilt das auch für 20 Meter und höher?
Kaum. Die D-Schicht dämpft tiefe Frequenzen stark und hohe fast gar nicht. Auf 20 Metern und darüber entscheidet die F-Schicht, also die Sonnenaktivität - siehe Funkwetter. Die Graulinie ist ein Thema der unteren Bänder.
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Warum weicht die Sonnenzeit von meiner Uhr ab?
Weil Zeitzonen politisch sind und die Sonne nicht. Deine Uhr folgt einer Zone, die bis zu 15 Grad breit sein kann, plus Sommerzeit. Die Sonnenzeit hier folgt der Länge - sie sagt, wie die Sonne steht, nicht was auf der Uhr steht.