Ein Morsesignal bauen
Umgekehrt zu allem anderen hier: Nicht ein Ton wird zu Zeichen, sondern ein Zeichen soll als Zeitverlauf entstehen.
Beim Hören lernt man Muster. Beim Bauen lernt man das Zeitraster - und genau dort sitzen die Fehler, die später auffallen: im eigenen Gebetempo, in einem Tattoo, in einer selbst gebastelten Blinkschaltung.
Die Bausteine unten sind unterschiedlich breit, und zwar im Verhältnis ihrer Dauer. Ein Strich ist dreimal so breit wie ein Punkt, eine Wortpause siebenmal. Wären sie alle gleich breit, wäre es ein Textfeld mit Knöpfen und die Übung gegenstandslos.
Die fünf Zahlen, um die es geht
Der ganze Morsecode steckt in fünf Längen, gemessen in einer Einheit, die vom Tempo abhängt:
- Punkt: 1 Einheit Ton
- Strich: 3 Einheiten Ton
- Pause im Zeichen: 1 Einheit Stille
- Pause zwischen Zeichen: 3 Einheiten Stille
- Pause zwischen Wörtern: 7 Einheiten Stille
Daraus lässt sich alles ausrechnen. Ein H sind vier Punkte mit drei Pausen dazwischen, macht sieben Einheiten. Das Wort PARIS mit der Wortpause dahinter sind genau fünfzig - und deshalb wird das Tempo daran gemessen: 20 Wörter pro Minute heisst zwanzigmal PARIS in einer Minute. Die Rechnung dazu steht unter Timing und Tempo.
Lesbar ist nicht gleich richtig
Die Prüfung unterscheidet zwei Stufen, und der Unterschied ist der lehrreichste Teil des Werkzeugs.
Lesbar heisst: Aus der Folge lässt sich der richtige Text lesen. Exakt heisst: Auch das Zeitraster stimmt. Beides fällt auseinander, sobald eine Pause fehlt - baut man Punkt und Strich ohne die Pause dazwischen, steht immer noch .- da, aber zu hören ist ein einziger langer Ton. Wer nur auf Lesbarkeit prüfte, könnte das Spiel gewinnen, indem er alle Pausen weglässt.
Deshalb gibt es den Knopf Deines hören direkt neben Vorbild hören. Der Unterschied, den man auf dem Bildschirm übersieht, ist im Ton sofort da.
Der häufigste Fehler
Zu kurze Abstände zwischen Zeichen. Die Pause von drei Einheiten fühlt sich beim Bauen wie eine Ewigkeit an, und fast alle setzen sie zu knapp. Die Folge: Zwei Zeichen verschmelzen zu einem dritten. E und T ohne ausreichenden Abstand ergeben A, I und E ergeben S.
Genau das ist auch der häufigste Fehler in Morsecode-Tattoos - dort setzt der Tätowierer die Punkte nach Augenmass gleichmässig, und aus einem Wort wird ein anderes. Wer ein Tattoo plant, findet unter Tattoo prüfen die Gegenprobe.
Häufige Fragen
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Warum ist die Wortpause sieben und nicht acht?
Weil die drei Einheiten der Zeichenpause mitzählen: Nach dem letzten Zeichen eines Wortes folgen sieben Einheiten Stille insgesamt, nicht drei plus sieben. Historisch ist die Zahl aus der Praxis der Telegrafisten übernommen und 1865 mit dem Code international festgeschrieben worden.
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Muss ich die Pausen wirklich einzeln setzen?
Hier ja, und das ist der Zweck. Im Übersetzer entstehen sie automatisch - aber wer sie nie selbst gesetzt hat, weiss auch nicht, was der Generator da tut.
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Was bringt der freie Text?
Damit lässt sich ein eigenes Wort bauen, etwa ein Name für ein Armband. Die Prüfung sagt dann verlässlich, ob die Abstände stimmen, bevor daraus Perlen oder Tinte werden.