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Blind mitschreiben

Solange der Ton läuft, nimmt das Feld nichts an. Erst danach schreibst du auf - und merkst, wie viel im Kopf Platz hat.

Das Feld bleibt gesperrt, solange gesendet wird. Erst danach schreibst du auf, was hängengeblieben ist - genau darum geht es.

Wer mitschreibt, während gesendet wird, kommt beim Schreiben immer eine Handbreit hinterher und verliert dabei nichts - solange das Tempo niedrig genug ist. Sobald es steigt, hilft nur noch eines: die Zeichen für einen Moment im Kopf behalten und erst danach ausgeben. Funker nennen das copying behind, und wer es kann, hört bei 25 Wörtern pro Minute noch mit, während andere bei 15 aussteigen.

Diese Übung erzwingt genau das, indem sie das Feld sperrt. Kein guter Wille, keine Selbstdisziplin - während der Ton läuft, geht es schlicht nicht.

Wie viel passt in den Kopf?

Weniger, als man hofft. Fünf Zeichen halten fast alle, sieben sind normal, ab zehn wird es für die meisten eng. Das ist keine Frage des Morsens, sondern die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses - dieselbe Grenze, die auch beim Simon auftaucht.

Bemerkenswert ist, was sich mit Übung verschiebt: nicht die Zahl, sondern was als eine Einheit zählt. Anfangs sind fünf Zeichen fünf Einheiten. Später ist eine Fünfergruppe ein Klangbild, ein Rufzeichen ein einziger Block - und plötzlich passen dreissig Zeichen dorthin, wo vorher sieben waren.

Womit anfangen

Mit drei Fünfergruppen, im gewohnten Tempo. Das sind fünfzehn Zeichen und damit schon mehr, als der Kopf am Stück trägt - die Aufgabe ist also von Anfang an ehrlich schwer, und der erste Durchgang endet oft bei der Hälfte.

Fünfergruppen sind der klassische Stoff für diese Übung und kein Zufall: Sie geben dem Mitschreiben einen Takt, und beim Zählen der Fehler ist eindeutig, wo eine Gruppe anfängt. Rufzeichen sind die schwierigere Wahl, weil ihre Länge wechselt; kurze Wörter sind die leichteste, weil der Sinn beim Behalten hilft.

Was die Auswertung zeigt

Verglichen wird nicht Stelle für Stelle, sondern mit einer Ausrichtung. Der Unterschied ist gross: Wer ein Zeichen verpasst, verschiebt alles Folgende um eine Stelle. Ein stumpfer Vergleich meldete dann jeden weiteren Buchstaben als falsch - aus einem Fehler würden dreissig, und die Auswertung wäre wertlos. So bleibt es ein Fehler, und er hat einen Namen: fehlend.

Unter der Auswertung stehen die Verwechslungspaare. Wer regelmässig S statt H schreibt, hat kein S-Problem, sondern ein Zählproblem bei drei gegen vier Punkten - und die Übung dagegen sieht anders aus als "S wiederholen".

Häufige Fragen

  • Ist das nicht dasselbe wie das Diktat?

    Nein, und der Unterschied ist der ganze Punkt. Beim Diktat darfst du mitschreiben, während gesendet wird; hier nicht. Das Diktat übt das Schreiben, diese Übung das Behalten.

  • Welches Tempo ist richtig?

    Dasselbe, bei dem du sonst gut mitkommst. Der Schwierigkeitsgrad steckt hier in der Menge, nicht im Tempo - fang mit drei Gruppen an und erhöhe erst, wenn die sitzen.

  • Warum wird Farnsworth angeboten?

    Weil sich Zeichentempo und effektives Tempo trennen lassen: Die Zeichen kommen schnell, die Pausen dazwischen sind länger. So hört man von Anfang an das richtige Klangbild und hat trotzdem Zeit. Mehr dazu unter Timing und Tempo.