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Die Geschichte des Morsecodes

Ein Maler, ein Mechaniker und ein Hamburger Telegrafist. Zusammen bauten sie den Code, den die Welt bis heute benutzt.

Der Morsecode entstand in den 1830er und 1840er Jahren durch Samuel Morse und Alfred Vail für die elektrische Telegrafie und wurde am 24. Mai 1844 zwischen Washington und Baltimore erstmals öffentlich vorgeführt. Die heute weltweit gültige Fassung stammt jedoch nicht von ihnen: Friedrich Clemens Gerke schrieb sie 1848 um, und seine Überarbeitung wurde 1865 internationaler Standard.

Samuel Morse und Alfred Vail

Samuel Morse war von Beruf Porträtmaler. Die Idee kam ihm der Überlieferung nach 1832 auf der Schiffsreise zurück aus Europa, während eines Gesprächs über Elektromagnetismus. Er hatte die Vision und, was entscheidend war, das Ansehen, um Geld aufzutreiben und beim Kongress vorzusprechen. Was ihm fehlte, war die Technik.

Die kam von Alfred Vail, der 1837 dazustiess und die Mechanik baute, die das System zum Laufen brachte. Auf Vail gehen auch die meisten Zuordnungen der Zeichen zurück, und die Methode, die er dafür wählte, erklärt die Sparsamkeit des Codes: Er ging in die Setzerei einer örtlichen Zeitung und zählte die Lettern in den Setzkästen aus. Wovon ein Setzer viel vorrätig hielt, das musste häufig vorkommen. E, der häufigste Buchstabe im Englischen, bekam einen einzelnen Punkt.

Die öffentliche Vorführung fand am 24. Mai 1844 auf der Leitung von Washington nach Baltimore statt. Die Nachricht lautete What hath God wrought, eine Zeile aus dem Buch Numeri, ausgesucht von Annie Ellsworth, der Tochter eines Patentbeamten.

Warum der ursprüngliche Code nicht bestand

Die erste Fassung, heute amerikanischer Morsecode genannt, hatte einen Mangel, der erst im grossen Massstab sichtbar wurde. Einige Zeichen enthielten innere Pausen unterschiedlicher Länge - das C wurde als zwei Elemente mit einer Lücke darin gegeben statt als durchgehendes Muster. Auf einer kurzen Leitung mit einem geübten Telegrafisten ging das gut. Über weite Strecken, wo Signale verschmierten, und später über Funk, wo Rauschen jede Lücke füllte, war es eine ständige Fehlerquelle.

Friedrich Clemens Gerke, Telegrafist in Hamburg, schrieb den Code 1848 um, nahm diese unbequemen Zeichen heraus und gab jedem Element eine saubere Länge. Seine Fassung übernahm 1851 der Deutsch-Österreichische Telegraphenverein und, mit kleinen Änderungen, 1865 die Internationale Telegraphenkonferenz in Paris. Das ist der Code auf dieser Seite.

Der amerikanische Morsecode verschwand nicht über Nacht. Er hielt sich jahrzehntelang auf nordamerikanischen Eisenbahn- und Landleitungen, und einige Funker pflegen ihn bis heute. Den Sprung zum Funk hat er aber nie geschafft.

Von Schiffen zu Satelliten

  • 1906 - die Berliner Funkkonferenz beschliesst SOS als internationales Notsignal, in Kraft ab 1. Juli 1908.
  • 1912 - die Titanic sendet CQD und SOS. Das Unglück führt unmittelbar zu Vorschriften, die Schiffen eine ständige Funkwache auferlegen.
  • Zwei Weltkriege - Morsecode trägt auf allen Seiten den militärischen Nachrichtenverkehr, und die Entzifferungsarbeit rundherum prägt die Anfänge der modernen Rechentechnik.
  • 1999 - das weltweite Seenotfunksystem GMDSS übernimmt. Die kommerziellen Hörwachen enden.
  • 2003 - die Weltfunkkonferenz streicht die Morseprüfung als Voraussetzung für die Amateurfunklizenz. Man erwartete einen Einbruch; stattdessen wurde die Betriebsart zu etwas, das man wählt statt erträgt.

Warum er nicht gestorben ist

Jede Technik, die den Morsecode abgelöst hat, braucht Gerät auf beiden Seiten. Morsen braucht eine Möglichkeit, irgendetwas ein- und auszuschalten, und zwei Menschen, die das Muster kennen. Das ist eine sehr niedrige Schwelle, und deshalb funktioniert ein Code, der in den 1840er Jahren für Eisendrähte entworfen wurde, noch heute mit einer Taschenlampe, einer Pfeife oder einem Finger, der auf ein Krankenbett klopft.

Sein zweites Leben ist technisch und nicht nostalgisch. Ein Morsesignal passt in eine so schmale Bandbreite, dass ein Empfänger fast alles andere wegfiltern kann. Deshalb überbrücken Funkamateure damit noch immer Ozeane mit der Leistung einer Glühbirne.

Häufige Fragen

  • Wer hat den Morsecode erfunden?

    Samuel Morse und Alfred Vail, gemeinsam ab 1837. Vail baute die Technik und erarbeitete die meisten Zuordnungen der Zeichen. Die heute international gültige Fassung überarbeitete Friedrich Clemens Gerke 1848.

  • Wann wurde der Morsecode erfunden?

    Er entstand im Lauf der 1830er und 1840er Jahre. Die erste öffentliche Vorführung über eine echte Leitung fand am 24. Mai 1844 zwischen Washington und Baltimore statt.

  • Was war die erste Morsenachricht?

    What hath God wrought, gesendet am 24. Mai 1844. Die Zeile stammt aus dem Buch Numeri und wurde von Annie Ellsworth ausgesucht.

  • Was unterscheidet den amerikanischen vom internationalen Morsecode?

    Der ursprüngliche amerikanische Code hatte Zeichen mit inneren Pausen unterschiedlicher Länge, was sie über weite Strecken unzuverlässig und über Funk unbrauchbar machte. Gerke nahm sie 1848 heraus, und diese sauberere Fassung wurde 1865 internationaler Standard.

  • Wann haben Schiffe aufgehört zu morsen?

    Offiziell 1999, als das weltweite Seenotfunksystem GMDSS die Aufgabe übernahm. Schiffe senden heute digitale Alarme, die Kennung und Position automatisch mitführen.