Bandbedingungen
Sauberer Morsecode kommt auf Kurzwelle fast nie an. Wer nur unter guten Bedingungen übt, hält sein Können für grösser, als es ist.
Warum das der eigentliche Unterschied ist
Zeichen bei sauberem Ton zu erkennen und Zeichen im Rauschen zu erkennen sind zwei Fähigkeiten. Die zweite ist die, auf die es ankommt, und sie lässt sich nur üben, wenn das Rauschen auch da ist.
Der Grund ist nicht Härte, sondern die Art, wie Hören funktioniert. Unter Störung ergänzt das Ohr, was fehlt - aber nur, wenn es das Zeichen erwartet. Wer die Zeichen nur sauber kennt, hat nichts zu ergänzen und hört Bruchstücke. Deshalb springt jemand, der ausschliesslich am Trainer geübt hat, beim ersten echten Kontakt oft ganz ab.
Die acht Bedingungen
- Klar. So klingt es nie. Zum Lernen der Zeichen trotzdem richtig.
- Schwaches Signal. Rauschen unter dem Ton - der häufigste Fall überhaupt.
- Schwund (QSB). Das Signal kommt und geht, weil sich der Weg durch die Ionosphäre ändert. Warten hilft mehr als lauter drehen.
- Atmosphäre (QRN). Gewitterknacken. Im Sommer auf 80 und 40 Metern der Normalzustand.
- Fremde Station (QRM). Jemand anders daneben. Lösbar, weil er auf einer anderen Tonhöhe liegt.
- Frequenzversatz. Der Ton sitzt nicht dort, wo du ihn erwartest. Wegdrehen genügt - aber man muss es merken.
- Volles Band. Contest-Wochenende: alles zugleich, nichts davon schlimm.
- Extrem. So schlecht, dass Aufgeben vernünftig wäre. Manchmal geht es trotzdem.
Warum die Störstationen anders klingen
Die fremden Stationen liegen absichtlich nicht auf derselben Tonhöhe wie das Nutzsignal. Genau das macht QRM lösbar: Das Ohr trennt nach Tonhöhe besser als nach allem anderen, und wer den Filter im Kopf hat, hört daran vorbei.
Ein Empfänger hat dafür einen echten Filter, der alles ausser einem schmalen Streifen wegschneidet. Das Ohr kann es auch, nur muss man es ihm beibringen - und dafür ist diese Seite da.
Was die Schwierigkeit bedeutet
Der Balken neben jeder Bedingung ist gesetzt und nicht gemessen. Was schwer zu hören ist, hängt am Ohr, an der Übung und am Kopfhörer, und lässt sich nicht ausrechnen.
Die Gewichte stehen trotzdem als Zahlen im Quelltext und nicht nur als Reihenfolge: Rauschen und fremde Stationen wiegen am schwersten, ein Tonhöhenversatz am wenigsten, weil man ihn wegdreht und dann nicht mehr hört. So ist die Abstufung nachvollziehbar statt behauptet.
Häufige Fragen
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Bei welcher Bedingung soll ich üben?
Bei der, die dich gerade noch trägt. Wer bei „schwach“ alles bekommt, nimmt „Schwund“. Wer bei „klar“ schon aussteigt, bleibt dort - Rauschen macht ein Zeichen nicht leichter, das noch nicht sitzt.
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Ist das echtes Rauschen?
Es ist im Browser erzeugtes weisses Rauschen, keine Aufnahme. Das ist ehrlicher, als es klingt: echtes Bandrauschen ist auch nichts anderes, nur dass zusätzlich Gewitter, Netzteile und der Nachbar mitspielen. Das Knacken kommt hier eigens dazu.
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Warum ist "volles Band" nicht das Schwerste?
Weil viele Stationen einander nicht verdecken, solange sie auf verschiedenen Tonhöhen liegen. Was wirklich schwer ist, ist ein schwaches Signal mit Schwund - da ist nichts, woran das Ohr sich halten könnte.