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Der Funkspruch der Titanic

Die berühmteste Funknacht der Geschichte - und die, über die am meisten Falsches erzählt wird. Hier steht, was belegt ist, und woher es kommt.

Eine Rekonstruktion, keine Aufnahme. Die Zeiten sind Schiffszeit und stammen aus Aussagen und Untersuchungsberichten, nicht aus einem Bordprotokoll - in den Quellen gehen sie um Minuten auseinander. Aus jener Nacht existiert keine Tonaufzeichnung; was hier klingt, ist aus dem Text erzeugt.

    Jeder Eintrag nennt seine Quelle. Wo die Forschung uneins ist, steht es dabei - eine Jahreszahl ohne Beleg wäre eine Behauptung.

    Zwei Funker, die keine Seeleute waren

    Jack Phillips und Harold Bride arbeiteten nicht für die Reederei, sondern für die Marconi-Gesellschaft. Ihre Aufgabe war der bezahlte Telegrammverkehr der Passagiere; Sicherheitsfunk kam nebenher. In der Nacht des Zusammenstosses arbeiteten sie noch einen Rückstand ab.

    Genau diese Aufgabenteilung wurde nach dem Untergang geändert. Zwei Regeln gehen unmittelbar auf jene Nacht zurück: durchgehende Funkwache auf See und Rettungsboote für alle an Bord.

    CQD zuerst, SOS danach

    Phillips gab zuerst CQD - den Notruf, den er gelernt hatte und den seit 1904 alle Marconi-Stationen benutzten. SOS war zu diesem Zeitpunkt seit knapp vier Jahren international gültig, aber noch nicht in aller Munde.

    Dass beide Zeichen in dieser Nacht abwechselnd hinausgingen, ist dokumentiert. Bride hat später erzählt, er habe halb im Scherz vorgeschlagen, auch das neue Zeichen zu geben - „it may be your last chance to send it“. Diese Bemerkung ist eine Erinnerung, kein Protokoll; sie steht deshalb oben als solche gekennzeichnet.

    Nach der Titanic verschwand CQD. Nicht, weil es verboten worden wäre, sondern weil niemand mehr das Zeichen geben wollte, das an jene Nacht erinnerte.

    Warum die Zeiten auseinandergehen

    Die Uhrzeiten oben sind Schiffszeit und stammen aus Aussagen vor den Untersuchungsausschüssen sowie aus den Logbüchern anderer Schiffe. Ein Bordprotokoll der Titanic gibt es nicht - es ging mit unter.

    Deshalb weichen die Angaben in den Quellen um Minuten voneinander ab, und deshalb steht hier keine Minute, die genauer wäre, als die Überlieferung hergibt. Wer eine sekundengenaue Chronologie liest, liest eine Rekonstruktion, die sich sicherer gibt, als sie ist.

    Was hier klingt, ist erzeugt

    Aus jener Nacht existiert keine Tonaufzeichnung. Funkempfang wurde damals nicht mitgeschnitten; was man hört, hörte nur der, der den Kopfhörer aufhatte.

    Die Töne auf dieser Seite sind deshalb aus dem Text erzeugt, so wie jedes andere Signal auf dieser Seite auch. Sie zeigen, wie es geklungen haben könnte - nicht, wie es klang.

    Häufige Fragen

    • Hat die Titanic „SOS“ als erstes Schiff gesendet?

      Nein. Belegt ist die RMS Slavonia im Juni 1909, zwei Monate später die SS Arapahoe. Der Irrtum hält sich, weil die Titanic das bekannteste Schiff ist, das SOS gab - nicht das erste.

    • Heisst SOS „Save Our Souls“?

      Nein. SOS war von Anfang an keine Abkürzung, sondern eine Folge, die man nicht überhören und nicht verwechseln kann: drei kurz, drei lang, drei kurz, ohne Buchstabenpausen. Die Deutungen kamen später.

    • Warum hat die Californian nicht geantwortet?

      Ihr Funker hatte Feierabend und den Empfänger abgeschaltet - was damals völlig üblich war, weil niemand eine Wache rund um die Uhr vorschrieb. Genau das änderte sich nach 1912. Was die Californian sonst noch sah oder nicht sah, ist bis heute umstritten und gehört nicht in eine Funkgeschichte.

    • Kann ich die Original-Funksprüche hören?

      Niemand kann das. Es gibt keine Aufnahme; die Technik dafür war an Bord nicht vorhanden und wäre auch nicht üblich gewesen. Alles, was als „Originalton der Titanic“ angeboten wird, ist nachgestellt.